Offene Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) sind eine wertvolle Bereicherung für die Hochschullehre. Im ersten Teil unserer OER-Fortbildungsreihe für theologische und religionspädagogische Hochschullehrende haben wir den Teilnehmenden einen Einblick in die Welt von OER gegeben und geklärt, was offene Lehr- und Lernmaterialien sind. Strategien zur Recherche und Bewertung von OER waren Inhalt des zweiten Teils.
Creative Commons Lizenzen - welche gibt es und warum sind sie wichtig?
Bevor wir uns auf die Suche nach OER begeben konnten, klärten wir zunächst die verschiedenen Creative Commons (CC)-Lizenzen. Sie sind entscheidend, wenn es darum geht zu erkennen, ob gefundenes Material überhaupt “open” ist. Creative Commons ist eine Non-Profit-Organisation, die in Form vorgefertigter Lizenzverträge eine Hilfestellung für Urheber:innen zur Freigabe rechtlich geschützter Inhalte anbietet. Diese standardisierten Lizenzverträge ermöglichen es Urheber:innen, ihre Werke unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung zu stellen und geben an, wie sie rechtssicher weiterverwendet werden dürfen. Die vier grundlegenden Lizenzmodule sind:
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BY (Namensnennung): Der Name des Urhebers muss genannt werden.
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SA (Weitergabe unter gleichen Bedingungen): Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz veröffentlicht werden.
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NC (Nicht-kommerziell): Das Material darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.
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ND (Keine Bearbeitung): Bearbeitungen des Originals sind nicht gestattet.
Durch Kombination dieser Module entstehen sechs Standardlizenzen, die unterschiedliche Nutzungsrechte gewähren. Ein hilfreiches Tool zur Auswahl der passenden Lizenz ist der CC License Chooser. Eine Entscheidungshilfe bietet auch unser Handout zu CC-Lizenzen sowie der Fahrplan von OERinfo.
OER gezielt finden
Im Anschluss ging es an die OER-Suche. Wo lassen sich OER-Materialien für die hochschule bzw. schulische und außerschulische Bildung finden? Im Workshop machten wir auf eine Vielzahl von Plattformen und Suchmaschinen aufmerksam, die die Recherche nach freien Bildungsressourcen erleichtern:
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Google & YouTube: Mithilfe der erweiterten Suche und den Filteroptionen bei Nutzungsrechten („Zur Wiederverwendung und Veränderung“) lassen sich OER gezielt aufspüren.
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OERSI: Ein Suchindex der Technischen Informationsbibliothek Hannover (TIB) für hochschuldidaktische Materialien.
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ORCA.nrw: Eine Plattform mit umfassenden Suchmöglichkeiten für OER im Hochschulbereich.
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Twillo: Eine Plattform mit OER-Websuche speziell für Hochschulen.
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CCCOER: Eine internationale Sammlung von OER-Ressourcen.
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Openverse: Eine Plattform für frei nutzbare Medieninhalte wie Bilder oder Audio-Dateien.
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WirLernenOnline: Eine umfassende Suchmaschine für schulische Lehr- und Lernmaterialien.
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rpi-virtuell: Eine Datenbank für freie Bildungsmedien im Bereich Religionspädagogik.
Hands-on: OER-Fundstücke
Anschließend gab es Zeit, selbst auf diesen Plattformen zu recherchieren, ob es für das eigene Fach bzw. die eigene Lehre geeignete Materialien gibt. Folgende OER-Funde möchten wir an dieser Stelle beispielhaft erwähnen:
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Podcast „Reli auf Lehramt“ (CC BY-SA): Wissenschaftliche Perspektiven auf Religionspädagogik, rBNE und Schulseelsorge.
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Bibel-Selfies (CC0): Mit KI generierte Bilder biblischer Figuren zur Reflexion und kritischen Auseinandersetzung.
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Tutorial „Wissenschaftliches Visualisieren“: Ein hilfreiches Angebot zur Erstellung von Schaubildern.
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Begriffsarbeit Klassismus (CC-BY Lizenz): Eine Seminareinheit mit Texten und Begriffsarbeit zur kritischen Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit.
Qualitätsmerkmale von OER
Nach einer kurzen Besprechen der Fundstücke kamen wir auf deren Qualität zu sprechen. Bei der Bewertung von OER sollten sowohl rechtliche und technische als auch didaktische und formale Aspekte berücksichtigt werden:
Rechtliche & technische Aspekte
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Einhaltung der Persönlichkeits- und Urheberrechte
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Korrekte Kennzeichnung & Lizenzierung
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Quellennachweise
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Angabe der Metadaten (z.B. Autor, Titel, Veröffentlichungsdatum, Schlagworte usw.)
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Barrierefreiheit (z.B. lesbare Schrift, klare Strukturierung, Farbkontraste usw.)
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Bearbeitbares & responsives Format (nicht gefangen in einer PDF, sondern bestenfalls weiterbearbeitbares Format wie .odt)
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Langfristige Nutzbarkeit (keine Broken-Links, Veröffentlichung in Langzeitrepositorien)
Didaktische & formale Aspekte
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Sachrichtigkeit / Fachliche Korrektheit
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Verständlichkeit / Vollständigkeit
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Angabe von Lernzielen / Kompetenzen
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Zielgruppenorientierung
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Methoden / Lernformen
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Aktualität / Relevanz
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(Selbst-) Reflexion & Interaktivität
Darüber hinaus diskutierten wir darüber, welche dezidiert religionspädagogischen Qualitätskriterien zu beachten Sind. Hierfür kamen wir auf die religionsdidaktische Prinzipien Subjektorientierung, Korrelation und Elementarisierung zu sprechen. Besonders mit Blick auf die Lernwege wie Symboldidaktik, biblisches Lernen oder ästhetisches Lernen, stellen sich mit Blick auf die Erstellung und Auswahl von OER verschiedene Fragen. Beispielsweise muss bei OER-Materialien zu biblischem Lernen auf eine offene Bibelübersetzung geachtet werden.
Ausblick: Teil 3 der OER-Fortbildungsreihe
Am 08.04.2025 von 10:00 bis 11:00 Uhr geht es in die letzte Runde! Unter dem Titel „OER selbst erstellen und teilen“ erhalten Teilnehmende praktische Einblicke in die Erstellung und Verbreitung eigener OER-Materialien.
Zum Termin 🗓️👉 https://relilab.org/oer-werkstatt-fuer-hochschulen-oer-selbst-erstellen-und-teilen/
Zur Übersicht der Fortbildungsreihe 🎓👉 https://relilab.org/oer-werkstatt-online-fortbildungsreihe-zu-open-educational-resources-in-der-theologischen-hochschullehre/
Zu Teil 1 der Reihe: https://int.oer.community/oer-fortbildungsreihe-1/